Kapitel 28

Tanzen, das

Als Jugendlicher verstand ich nicht, warum sich andere Jugendliche trafen, um sich zur Musik zu bewegen. Die Musik war laut. Die Bewegungen komisch. Und es trafen sich viele Jugendliche gleichzeitig. Drei Gründe, abwesend zu sein.

Vor einigen Jahren war ich das erste Mal auf einem Musikfestival. 10.000 Menschen hatten in Mecklenburg-Vorpommern ihr Zelt aufgeschlagen. 9.999 Menschen waren komische Bewegungen machen. 1 Mensch verbrachte die drei Tage mit Ohropax und Sherlock Holmes im Zelt.

Vor einigen Wochen nahmen mein Freund und ich an einem Tanzkurs teil. Die komische Bewegung sah hier koordiniert aus. Was mich abstieß, waren die letzten 10 Minuten. Alle 60 Sekunden sollte ich den Tanzpartner wechseln. Alle 60 Sekunden fassten mich andere Hände an. Alle 60 Sekunden starrte mich ein anderes Gesicht an. Alle 60 Sekunden stießen meine Füße mit anderen Füßen zusammen. Nach dem Tanzkurs hielt ich meine Hände auf Abstand zu meinem Körper. Mein Gesicht muss verzerrt ausgeschaut haben. Das Gefühl, von fremden Menschen angefasst worden zu sein, ging selbst durch Desinfektionsmittel nicht weg.

Einmal waren wir mit zwei Freunden auf einem Pop-Konzert. Die Besucher, die sich nicht kannten, hielten einen halben Meter Abstand zueinander. Niemand wollte mich anfassen. Nach Konzertende brauchte ich kein Desinfektionsmittel. Die zwei Freunde waren sich unsicher, ob mir das Konzert gefallen hatte. Sie sahen nur einen Friedrich, der regungslos im Raum herumstand. Innerlich bin ich aber voll abgegangen.

Und was sagst du dazu?

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