Prolog

Prolog, der

Hallo, ich bin Friedrich und Autist.

Eigentlich hatte ich ein normales Leben. Bis zur Diagnose Asperger-Autismus. Da war ich 38 Jahre alt. Vor der Diagnose ging ich davon aus, dass anders gleich normal ist.

Natürlich fiel mir auf, dass nicht jeder seit fast zwei Jahrzehnten konstant zwei Freunde hat. Und nicht jeder im Supermarkt nur drei Lebensmittel (Nudeln, Ketchup und Streukäse) kauft. Und nicht jeder ein Telefongespräch zuvor transkribiert. Abgesehen auch von nahestehenden Personen, die fragten: Bist du vielleicht Autist?

Bei der Autismus-Diagnose wurden mir Fotos von Augen samt vier Adjektiven gezeigt. Adjektive wie gleichgültig, verlegen, skeptisch und niedergeschlagen. Die Augen sollte ich intuitiv einem Adjektiv zuordnen. Ich brauchte Minuten dafür. Ich erfand zu den Augen ein gleichgültiges Gesicht, ein verlegenes Gesicht, ein skeptisches Gesicht und ein niedergeschlagenes Gesicht. Die Gesichter wurden Schauspieler. Jeder Schauspieler zum Teil einer Filmszene. Vier Filmszenen später wusste ich: Die Augen gucken skeptisch. Durchgeschwitzt und erschöpft ging ich zu Hause erstmal unter die Dusche.

In diesem Blog sammle ich Erlebtes, das nach teilweise vielen Jahren endlich Sinn ergibt. Es ist ein persönlicher Blog, der keine fachliche Aussage über Autismus und im Speziellen über Autismus im Erwachsenenalter macht. Vielleicht kann der ein oder andere neurotypische Leser die Welt der geschätzt 67 Millionen Autisten nach der Lektüre etwas besser verstehen. Ich hab mit eurer ja so meine Probleme.

Friedrich

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