Kapitel 29

Mittagspause, die

Einen Tag in der Woche arbeite ich als Hilfskraft in einer Werkstatt. Mit dem Werkstattleiter gehe ich Mittagessen. Wir gehen immer in dieselbe Bäckerei. Das belegte Brot esse ich am liebsten. Beim belegten Brot gehe ich davon aus, dass der Angestellte Handschuhe getragen hat. Als er das Brot belegte. Außerdem ist das belegte Brot in Papier eingeschlagen. Die Verkäuferin fasst mit ihrer Hand nur das Papier an. Nicht das belegte Brot.

Manchmal ist das belegte Brot ausverkauft. Dann muss ich das Bauernfrühstück bestellen. Das Bauernfrühstück bringt ein älterer Mann zum Kunden an den Tisch. Er trägt dabei keine Handschuhe. Ich stelle mir vor, wie er mit schniefender Nase in der Küche steht. Wie er sich den Schleim mit der Hand wegwischt. Und dann mit dieser Hand meine Kartoffeln schält. Um mich zu beruhigen, habe ich immer ein Desinfektionsmittel dabei. Ich traue mich aber nicht, dem alten Mann Desinfektionsmittel auf die Hand zu sprühen. Bevor er meine Kartoffeln schält.

Die Mittagspause in der Bäckerei finde ich anstrengend. In der Bäckerei läuft über Lautsprecher Radiomusik. Wenn der Werkstattleiter mit mir redet, singt eine Band ihr Liebeslied. Das Liebeslied und der Werkstattleiter teilen sich meine Aufmerksamkeit. Macht 1/2 der Aufmerksamkeit für jeden.

Neulich saß eine Frau hinter meinem Stuhl und telefonierte. Während der Werkstattleiter redete und das Liebeslied erklang. Meine Aufmerksamkeit war also zu 1/3 beim Telefongespräch, zu 1/3 beim Liebeslied und zu 1/3 beim Werkstattleiter.

Dann bestellte ein Kunde einen Kaffee. Die Kaffeemaschine, das Telefongespräch, das Liebeslied und der Werkstattleiter buhlten um meine Aufmerksamkeit. Macht 1/4 der Aufmerksamkeit für die Kaffeemaschine, 1/4 der Aufmerksamkeit für das Telefongespräch, 1/4 der Aufmerksamkeit für das Liebeslied und 1/4 der Aufmerksamkeit für den Werkstattleiter. Die Geräuschkulisse war kaum zu ertragen.

Variation Nr. 1
Tusche auf Papier
42 × 59.4  cm

Ich schaute dem Werkstattleiter mit 1/4 der Aufmerksamkeit in die Augen und nickte zustimmend. Dabei war ich beschäftigt genug. Ich musste das Bauernfrühstück essen. Anstatt mein belegtes Brot.

  1. Wieder ein schöner Text. Ich muss dich aber enttäuschen: Dass das Personal überall da, wo Brote oder Brötchen belegt werden, Handschuhe trägt, ist wohl eine Illusion. Und außerdem: Selbst wenn sich ein Mitarbeiter bei Schichtbeginn Handschuhe anzieht, ist ja nicht abzusehen, wie lange er die trägt und was er in dieser Zeit so alles tut, mit Handschuhen an den Händen: sich am Kopf kratzen, mal eben einen eiligen Kunden abkassieren, Nachschub aus dem Lager im Keller holen – deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Da hilft nur „Augen zu und durch“ und das Wissen darum, dass nicht reihenweise Leute nach Essen im Restaurant schwer erkranken. Ob alle Teile in einem gemischten Salat immer gewaschen werden? Köche wissen: Die Salatsauce haftet besser an trockenen Blättern und Gemüsestückchen. Und manchmal hat man’s einfach eilig…

    Deine Aufteilung der Aufmerksamkeit bei mehreren Geräuschquellen gefällt mir gut; das geht mir ganz genauso.

    Noch etwas zum Thema Sprache: Ich dachte ja erst, da ist ein Fehler in deinem letzten Satz, denn nach „anstatt“ steht korrekt der Genitiv, umgangssprachlich auch der Dativ. Das schien mir aber in deinem Satz nicht ganz hinzuhauen. Ein bisschen Recherche ergab: Hat „anstatt“ die Bedeutung von „und nicht“ und ist Konjunktion statt Präposition, dann folgt ihm der Fall, den das Verb verlangt. „Essen“ verlangt den Akkusativ – dein letzter Satz ist richtig. Wieder was gelernt.

    Avatar von Frank
    Frank

Und was sagst du dazu?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert