Kapitel 11

Klatschen, das

Ich verstehe nicht, warum Menschen nach einem Konzert klatschen. Es ist laut. Außerdem tut es weh.

Vor über zwölf Jahren habe ich mit dem Klatschen aufgehört. Das kam nicht gut an. Außerdem habe ich mich unwohl gefühlt. Denn auch ich bin dem Gruppendruck erlegen. Damit ich mich nicht unwohl fühle, habe ich mir einen digitalen Handzähler gekauft. Den habe ich mir auf die rechte Handfläche geschnallt. Immer wenn andere anfingen zu klatschen, habe ich vermeintlich mitgemacht. Anstatt aber ein Geräusch zu erzeugen wurde mit dem Handzähler die Anzahl der Berührungen der beiden Handflächen festgehalten.

So wurde aus einer sozialen Geste eine Studie. Denn die Anzahl der Berührungen habe ich auf kleinen Zetteln notiert. 33 der Zettel habe ich später ausgewertet. Insgesamt habe ich 444-mal den Handzähler betätigt. Die erste Notiz stammt vom 14. November 2012, die letzte vom 10. Juli 2014. Am letzten Tag notierte ich dazu: „0 x selbst kasteit, vorzeitig gegangen.“

Inzwischen habe ich mich an das Klatschgeräusch gewöhnt. Ich klatsche sogar lauter als andere. Der Vorteil beim Mitmachen ist, dass ich durch den eigenen Klatschrythmus und die eigene Klatschlautstärke Kontrolle über ein ansonsten unausstehliches Geräusch erhalte. Ich mag Kontrolle.

  1. Zitat aus „Klatschen, das“: „Der Vorteil beim Mitmachen ist, dass ich durch den eigenen Klatschrythmus und die eigene Klatschlautstärke Kontrolle über ein ansonsten unausstehliches Geräusch erhalte. Ich mag Kontrolle.“

    Ich habe auch einen eigenen Klatschrhythmus. Ich hasse es, wenn alle im Publikum sich einem gemeinsamen Rhythmus unterwerfen. Mir kommt das immer dumpf vor, so schafherdenartig.

    Avatar von Frank
    Frank

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