Kapitel 15

Gespräch, das

Wenn ich mich wohlfühle, rede ich viel. Zu Hause fühle ich mich wohl. Also rede ich viel. Am besten wäre ein Redeanteil von 50 zu 50. Das habe ich so gelernt. Wenn ich mich zusammenreiße, schaffen ich und mein Freund 70 zu 30. Am liebsten wären mir Menschen, die wenig reden. Ich mag meine eigenen Themen. Ansonsten mag ich Stille.

Zum Zuhören gehört, dass man in die Augen schaut. Ich finde es anstrengend, in die Augen zu schauen. Die bewegen sich hin und her. Je länger ein Gespräch dauert und je länger ich in die Augen starre, desto verschwommener nehme ich die Umgebung wahr. Davon werde ich müde. Manchmal wird es dann still. Das ist der Zeitpunkt, wo mein Gegenüber auf eine Reaktion von mir wartet. Dann nicke ich.

Friedricus auga haendae
Plotterzeichnung auf Papier
14.8 × 21  cm

Letztens waren mein Freund, ein Neffe und ich Fahrrad fahren. Das Kind redete ununterbrochen. Das Kind hielt also nicht viel von der 50-zu-50-Regel. Das Zuhören fand ich anstrengend. Also fuhr ich in einem großen Abstand zum Kind. Das ist dem Kind aufgefallen. Mein Freund erklärte ihm, dass Friedrich Ruhe brauche. Das Kind hat den Hinweis aber nicht auf sich bezogen. Denn es redete ununterbrochen weiter. Nach dem Fahrradfahren war ich fix und fertig. Zu Hause habe ich heimlich Ohrstöpsel genommen. Das Kind konnte weiter reden und ich hatte meine Ruhe. Ab und zu habe ich zustimmend genickt.

Und was sagst du dazu?

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